Ausgangssituation und Zielsetzung
Das in den 1980er Jahren errichtete Hallenbad Saarburg wurde infolge eines Hochwasserereignisses stark beschädigt und ist wirtschaftlich sowie funktional nicht mehr sanierungsfähig. Voruntersuchungen ergaben, dass aufgrund der beengten Platzverhältnisse und der gestiegenen technischen Anforderungen ein Ersatzneubau die nachhaltigste und zukunftsfähigste Lösung darstellt. Das neue Hallenbad wird gemeinsam mit dem bestehenden Freibad als Kombibad betrieben. Durch die gemeinsame Nutzung von Funktionsbereichen, Personalwegen und technischer Infrastruktur entsteht ein effizienter, ressourcenschonender und wirtschaftlich tragfähiger Betrieb.

Städtebauliches Konzept und Hochwasserschutz
Der Neubau entsteht auf dem Standort des ehemaligen Hallenbads und integriert sich selbstverständlich in die bestehende Freibadlandschaft. Aufgrund der Hochwassergefahr wird das Gebäude auf einem 70 cm hohen Sockel errichtet, der als baulicher Hochwasserschutz dient und zugleich eine terrassenartige Aufenthaltsfläche bildet. Dieser Sockel terrassiert sich sanft in das Gelände und schafft eine natürliche Verbindung zwischen Innen- und Außenraum. In die Terrasse wurde das neue Außenkinderplanschbecken spielerisch integriert. Es steht in engem räumlichen Bezug zu den Innenbecken und der Außengastronomie und schafft so eine lebendige, kommunikative Schnittstelle zwischen Hallenbad und Freibad.

Architektonisches Konzept
Der Entwurf ist geprägt von einer klaren Gliederung, funktionalen Abläufen und einer einladenden, hellen Atmosphäre. Die Organisation folgt einer logischen und besucherfreundlichen Struktur:

  1. Gastronomie und Anlieferung: Die Gastronomiebereiche von Hallen- und Freibad sind zusammengefasst und teilen sich eine gemeinsame Anlieferung und Lagerzone, was Synergien schafft und den Betrieb vereinfacht. Die Anlieferung der Freibadgastronomie erfolgt auf der nordöstlichen Seite des Schwimmbads vom Parkplatz aus.
  2. Zentraler Eingangs- und Kassenbereich: Der Kassenbereich liegt zentral und bietet Einsicht in beide Eingänge – Hallen- und Freibad. Besucher*innen erhalten bereits beim Betreten des Gebäudes Blicke auf die Badebereiche.
  3. Innenräume: Großflächige Verglasungen öffnen die Halle zum Außenraum. Der Umkleidebereich ist übersichtlich organisiert, mit zentralen, natürlich belichteten Föhnplätzen und kurzen Wegen. Der Kinderbereich liegt in direkter Nähe zur Hallenbadgastronomie, deren Außensitzbereich in den Freibadbereich übergeht.
  4. Badehalle: Das Schwimmerbecken liegt bewusst etwas abseits, um eine ruhigere Atmosphäre zu schaffen.
    Der Rutschenturm befindet sich zwischen Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken und ist direkt vom Freibad erreichbar.
  5. Dachlandschaft: Der Teil mit Schwimmer-, Nichtschwimmer- und Rutschenbereich erhält ein höheres Dachvolumen, während Kinderbereich, Gastronomie, Verwaltung und Umkleiden niedriger überdacht sind – dies verleiht dem Baukörper Maßstäblichkeit und Zonierung.
  6. Überdachungen: Wichtige Funktionsbereiche wie Eingang, Außengastronomie und Anlieferung sind überdacht und somit ganzjährig nutzbar.
  7. Verwaltung und Personal: Die Verwaltung ist kompakt im Nordwesten angeordnet und über einen eigenen Personaleingang mit benachbarten Personalparkplätzen erreichbar. Von dort führt eine Treppe und ein Aufzug ins Untergeschoss mit Personalumkleiden und Sanitärbereichen.
  8. Technik und Untergeschoss: Die gesamte Gebäudetechnik für Hallen- und Freibad ist im Untergeschoss untergebracht. Durch die erhöhte Bauweise ist sie gegen Hochwasser geschützt. Die Technikanlieferung erfolgt über einen verdeckten Schacht mit Hebebühne, der bei Überflutung mit einem Dammbalkensystem gesichert werden kann.

Außenanlagen und Freibadbereich
Ankunft und Zugänge: Natursteinplatten, möglichst aus der Umgebung, sind in den Asphaltbelag der Vorplätze eingesprenkelt und schaffen ein robustes, hochwertiges Erscheinungsbild. An der Nordfassade finden sich 36 Fahrradstellplätze, weitere 22 regengeschützte Stellplätze sind unter dem Vordach angeordnet. Der Eingangsbereich ist als klarer Auftakt gestaltet: Von hier aus bildet die Baukörperstellung eine Blickachse in den Freibadbereich. Treppen und Oberflächen sind ebenfalls in Naturstein ausgeführt. Schattenspendende, mehrstämmige Bäume – etwa Felsenbirnen – fassen den Eingangsbereich malerisch ein und bieten angenehmen Schatten für Wartende an der Kasse.
Südterrasse und Kinderbereich: An der Südseite des Gebäudes schließt eine großzügige Terrasse aus dem gleichen Naturstein an. Am südwestlichen Ende befindet sich das Kinderplanschbecken, das in den Sommermonaten mit einem temporären Segel verschattet werden kann. Unmittelbar südwestlich der Terrasse lädt ein Spraypark zum Spielen ein. Dahinter führt eine kleine Brücke über den Bach Leuk auf die Sportwiese, die Raum für Fußball und Volleyball bietet.
Bach „Leuk“ und ökologische Aufwertung: Die Ufer des Baches Leuk werden durchgehend mit einer Schilfzone ökologisch aufgewertet. Diese Pflanzung verbessert die Biodiversität, verhindert den direkten Zugang zum Wasser, ermöglicht aber gleichzeitig eine unproblematische Überschwemmung im Hochwasserfall.
Freibadbereich und Landschaftsgestaltung: Das Sommerumkleidegebäude wurde bewusst losgelöst vom Hallenbad platziert und klar gegliedert gestaltet, um Übersichtlichkeit und eine einfache Orientierung für die Freibadgäste zu gewährleisten. Der Haupteingang des Freibads bildet eine deutlich erkennbare Passage zwischen dem Neubau des Hallenbads und dem Gebäude der Sommerumkleiden. Diese lineare Wegeführung leitet die Besucher*innen intuitiv in das Freibad und wird von einer Reihe großkroniger, schattenspendender, einheimischer Bäume begleitet, die eine angenehme Aufenthaltsqualität und natürliche Zonierung schaffen.
Das 50-Meter-Becken wird wie gewünscht von acht auf vier Bahnen reduziert. Die übrigen vier Bahnen werden als Naturbecken ausgebildet. Dadurch dienen sie als Retentionsbecken, das das Wasser des Schwimmerbereichs regeneriert, den Wasserverbrauch reduziert und den technischen Aufwand minimiert. Zudem wird für den Sprungturm ein neues Sprungbecken integriert, welches direkt an das Becken anschließt und den Freibadbereich funktional ergänzt. Das bestehende Nichtschwimmer-Erlebnisbecken bleibt in seiner ursprünglichen Form erhalten, sodass ein vielseitiges Angebot für unterschiedliche Altersgruppen und Nutzerbedürfnisse bestehen bleibt.

Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung
Nachhaltigkeit ist Leitgedanke des gesamten Projekts – sowohl ökologisch als auch sozial.

  1. Wiederverwendung und Kreislaufwirtschaft:
    • Der Abbruch des Bestandsgebäudes wird als Ressource genutzt: Abbruchmaterial dient für Aufschüttungen und Wege.
    • Die vorhandene Baugrube wird erweitert und weiterverwendet, Aushubmaterial bleibt vor Ort.
    • Wiederverwendbare Bauteile wie Spinde oder Glasfassaden werden geprüft und bei Eignung integriert.
  2. Konstruktion und Materialien:
    • Badehalle mit Stahlstützsystem und Holzrippentragwerk.
    • Gastronomie- und Sanitärblock aus Recyclingbeton.
    • Umkleidetrakt in Holzbauweise, Untergeschoss aus CO₂-reduziertem Beton (CEM III).
    Edelstahlbecken im Hallenbad – langlebig und recyclebar.
  3. Energie und Wasser / Energiekonzept: Das Energiekonzept für die Versorgung des gesamten Freizeitbades verfolgt das Ziel, den Primärenergiebedarf so gering wie möglich zu halten. Zur Wärmeversorgung werden Grundwasser- und Geothermie-Wärmepumpen eingesetzt, die den Energiebedarf folgender technischer Anlagen abdecken:
    • Badewassertechnik
    • Warmwasserbereitung
    • Raumlufttechnische Anlagen (RLT)
    • Flächenheizsysteme
    Die Anlagentechnik wird gemäß den Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) geplant und umgesetzt. Das Versorgungssystem basiert auf einem Nieder- und Mitteltemperaturnetz, um einen hohen Wirkungsgrad der Wärmepumpen zu gewährleisten. Für die Warmwasserbereitung kommen dezentrale Frischwasserstationen zum Einsatz, die hygienische Sicherheit und Energieeffizienz erhöhen. Die zentralen RLT-Anlagen für Schwimmhallen, Nebenräume und Duschbereiche sind mit rekuperativer Wärmerückgewinnung ausgestattet und werden zentral angeordnet, um kurze Leitungswege und geringe Druckverluste sicherzustellen. Die Badewassertechnik einschließlich Speicher- und Filteranlagen ist im Untergeschoss angeordnet; dort werden zusätzlich Wärmepumpen zur Wärmerückgewinnung aus Abwasser eingesetzt. Zur elektrischen Versorgung der Anlagentechnik wird die Dachfläche mit einer möglichst großflächigen Photovoltaikanlage in Kombination mit einem Batteriespeicher ausgestattet. Zusätzlich wird für die öffentlichen Parkflächen eine PV-Überdachung vorgeschlagen, die Strom erzeugt und zugleich Schatten spendet. Insgesamt übertrifft das Energiekonzept den technischen Standard deutlich und verfolgt das Ziel, sowohl den Energiebedarf als auch die Betriebskosten langfristig zu minimieren.
  4. Landschaft und Biodiversität:
    • Pflanzung ausschließlich heimischer, insektenfreundlicher Arten.
    • Der Sockel verzahnt sich sanft mit dem Grünraum und fördert die Versickerung.
  5. Soziale Nachhaltigkeit und Nutzungsoffenheit:
    • Die Gastronomie ist auch öffentlich zugänglich – als Café und Begegnungszone.
    • Der Besprechungsraum der Verwaltung kann extern genutzt oder vermietet werden.

Barrierefreiheit
Das gesamte Gebäude ist konsequent barrierefrei konzipiert. Alle Ebenen sind über Aufzüge und Rampen erreichbar, Verkehrsflächen großzügig dimensioniert und mit rutschhemmenden Belägen versehen. Barrierefreie Umkleiden, Duschen und WCs sind zentral angeordnet und gut auffindbar. Auch die Übergänge zwischen Hallenbad, Freibad, Außengastronomie und Terrasse sind stufenlos gestaltet.